{"id":3231,"date":"2021-04-01T11:38:50","date_gmt":"2021-04-01T09:38:50","guid":{"rendered":"https:\/\/bojournal.de\/?p=3231"},"modified":"2021-04-01T11:38:51","modified_gmt":"2021-04-01T09:38:51","slug":"kriegsberichterstattung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bojournal.de\/?p=3231","title":{"rendered":"Kriegsberichterstattung"},"content":{"rendered":"\n<p>Zuletzt hatte ich eine religi\u00f6se Metapher f\u00fcr allgemeine Verh\u00e4ltnisse in der Bochumer Lokalpolitik benutzt. F\u00fcr den konkreten Zusammenhang einer Sitzung des Stadtrates passt das aber nicht genug. Das gilt auch besonders f\u00fcr die zur\u00fcckliegende Sitzung am 25.3.2021. Jene m\u00f6chte ich eher mit einer Schlacht vergleichen, in der es verschiedene Seiten gab, welche die Ratsfraktionen darstellen. Dabei gelten entsprechende Gewichtsverh\u00e4ltnisse in Teilen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"401\" src=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-1024x401.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3133\" srcset=\"http:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-1024x401.png 1024w, http:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-300x118.png 300w, http:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-768x301.png 768w, http:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1.png 1049w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der zur\u00fcckliegenden Schlacht (Ratssitzung) brachten die Seiten also ihr schweres Kriegsger\u00e4t in Stellung. Dabei wurde einige Zeit hin und wieder ein Schuss abgefeuert, ohne, dass viel \u00dcberraschendes passiert w\u00e4re. (Realweltlich wurde Punkte durchgewunken, die niemand allzu sehr k\u00fcmmerten.)<\/p>\n\n\n\n<p>Dann schickte die AfD eine Pioniereinheit los, um eine Br\u00fccke \u00fcber einen Fluss zu schlagen, um die sp\u00e4teren Geheimdienstaktivit\u00e4ten zu unterminieren (s.u.). Das w\u00e4re eigentlich gar keine so schlechte Idee gewesen. Es scheiterte allerdings bereits daran, dass die Pioniere weder genug noch das richtige Material dabei hatten, um die Br\u00fccke hinzubekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den verschiedenen Feldherrenh\u00fcgeln an den unterschiedlichen Seiten des Schlachtfeldes aus wurde das Geschehen mit Argwohn beobachtet. Weitere Kampfhandlungen nahmen ihren Lauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Volker Steude versuchte einen schnellen Vorsto\u00df auf das Gel\u00e4nde der Bochumer Symphoniker. Sein Einsatz schwerer Kavallerie kam dabei zwar \u00fcberraschend, endete aber trotzdem unmittelbar in massivem Abwehrfeuer aus Maschinengewehrnestern. Ich f\u00fcrchte, ich werde da selbst langfristig noch ein paar Einheiten strategisch umstellen m\u00fcssen, um den weiteren R\u00fcckzug eben dieser Pferde decken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach kam es zu einem gr\u00f6\u00dferen Kampf um die Hauptsatzung. AfD und Linkspartei unternahmen gleicherma\u00dfen eigene Vorst\u00f6\u00dfe auf diese, die sie im Schatten eines Infanterieangriffes der Koalition aus SPD und Gr\u00fcnen jeweils an den Flanken voranbrachten. Erwartungsgem\u00e4\u00df kam der Angriff \u00fcber die linke Flanke weiter, blieb aber letztlich ebenso stecken wie jener an der rechten Seite. Derweil warfen die Koalitionspartner unz\u00e4hlige Krieger nach vorn. Vor dieser \u00dcbermacht an Stimmen fielen dann auch Teile von Formulierungen der Hauptsatzung, und ein kleiner H\u00fcgel wurde mit viel Tamtam erobert.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere verirrte Sch\u00fcsse peitschten eine Weile durch die (geistige) Nacht, die langsam eintrat, weil die Luft in der Jahrhunderthalle nicht die beste war. Dabei waren wir soviel mit dem Herumkarren leichter Feldartillerie besch\u00e4ftigt, dass ich den \u00dcberblick verlor. Haben wir das Scharm\u00fctzel um die Smart Cities jetzt gewonnen oder verloren?<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem ebenso sinn- wie aussichtslosen Angriff der AfD auf die Geb\u00fchrensatzung kam es jedenfalls zu heftigen K\u00e4mpfen um den Status des Ruhrgebiets als UNESCO-Welterbe. Dazu stieg aus allerlei Rohren eine Menge Rauch auf, und Kanonendonner dr\u00f6hnte \u00fcber die Walstatt. Man darf wohl mit einigem Recht behaupten, dass hier oft bis aufs Blut gestritten wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Koalition diesmal gr\u00f6\u00dfere Panzerverb\u00e4nde einsetzte, versuchten andere Seiten ebenfalls, mit dem Gewicht schwerer Kampfwagen einen Vorteil herauszufahren. Viele w\u00e4hnten ihre Fahrzeuge gleicherma\u00dfen gut gesch\u00fctzt wie schlagkr\u00e4ftig. Der Plan eines zielgenauen Man\u00f6vers von PARTEI und Stadtgestaltern scheiterte insbesondere durch eine Schlammkanone aus den Reihen der SPD, die unsere sonst gut ausgerichteten Truppen v\u00f6llig \u00fcberraschend ausbremste.<\/p>\n\n\n\n<p>FDP und Linksfraktion brachte unabh\u00e4ngig von einander Motorlafetten an die Front, wo diese allerdings kaum Wirkung erzielten. Einzelne \u00fcberschwere Panzer der CDU tobten \u00fcber den Platz und richteten Verwirrung an. Dass der Raum daf\u00fcr freigegeben wurde, zog die Schlacht in die L\u00e4nge. Ich selber antwortete jedenfalls mit leichtem Streufeuer aus hinteren Batteriestellungen. Dabei waren bestimmte strategische Punkte besonders umstritten.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Am Ende siegte wieder einmal die zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcberlegenheit von Rot-Gr\u00fcn.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesem Schlagabstausch kehrte eine Weile Ruhe ein. Es folgten noch eine Reihe halbherziger Vorst\u00f6\u00dfe von verschiedenen Seiten. Teilweise wurden weniger wichtige Gel\u00e4ndepunkte eingenommen, teilweise bl\u00f6dsinnige Experimente zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beteiligten leckten sich die Wunden und be\u00e4ugten einander mit Misstrauen. Weitgehende Einigkeit herrschte jedoch in der Frage, dass man ruhig etwas zu Futtern h\u00e4tte bereitstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit endete der \u00f6ffentliche Teil der Ratssitzung, und eine Art Geheimdienstkrieg begann. \u00dcber selbigen darf ich nichts erz\u00e4hlen, weil ich sonst meine Leser erschie\u00dfen m\u00fcsste. (Vielleicht w\u00fcrde es auch reichen, ihnen Besessenheits-D\u00e4monen auf den Hals zu hetzen.) Da ich das aber gerade nicht will, sage ich nur kurz allgemein, dass Geheimdienstt\u00e4tigkeit sich verdammt langweilig dahinziehen kann. Au\u00dferdem muss man sich immer die Frage stellen, wer wann warum an Geheimhaltung interessiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Fazit aus der Schlacht nehme ich jedenfalls als wesentliche Erfahrung mit: N\u00e4chstes Mal mehr Gulaschkanonen!<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt b\u00f6se!<\/p>\n\n\n\n<p>Euer Tobias, der sehr finstere<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuletzt hatte ich eine religi\u00f6se Metapher f\u00fcr allgemeine Verh\u00e4ltnisse in der Bochumer Lokalpolitik benutzt. F\u00fcr den konkreten Zusammenhang einer Sitzung des Stadtrates passt das aber nicht genug. Das gilt auch besonders f\u00fcr die zur\u00fcckliegende Sitzung am 25.3.2021. 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