{"id":3184,"date":"2021-02-25T16:17:13","date_gmt":"2021-02-25T15:17:13","guid":{"rendered":"https:\/\/bojournal.de\/?p=3184"},"modified":"2021-02-25T16:17:14","modified_gmt":"2021-02-25T15:17:14","slug":"der-faehrmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bojournal.de\/?p=3184","title":{"rendered":"Der F\u00e4hrmann"},"content":{"rendered":"\n<p>Es scheint gerade so eben genug Mu\u00dfe zu herrschen f\u00fcr etwas Magietheorie. Also los!<\/p>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Tagen ist mir n\u00e4mlich aufgrund von Internet-Links ein altes Lied mal wieder im Kopf herumgespukt. Nein, ich meine nicht das eher dahinpl\u00e4tschernde \u201eCharon\u201c von Grave Digger. Ich meine tats\u00e4chlich \u201eDon\u00b4t Pay The Ferryman\u201c von Chris de Burgh. Dabei sind mir Metaebenen aufgefallen, die an mir als Jugendlichem seinerzeit v\u00f6llig vorbeigerauscht sind. Jene betreffen das Zusammenspiel von Realit\u00e4t und magischem Denken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"401\" src=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-1024x401.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3133\" srcset=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-1024x401.png 1024w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-300x118.png 300w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-768x301.png 768w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1.png 1049w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00a0uch, wenn viele Leute bei dem Thema vielleicht zuerst an steinalte Griechen denken; F\u00e4hrleute spielen in der Mythologie verschiedener V\u00f6lker eine Rolle. Dabei geht es in Sagen oft um das Erreichen eines (manchmal sogar sicheren) Ufers nach dem Durchqueren unsicherer (und damit im Bild mystisch-magischer) Gew\u00e4sser. Dabei spielt dann ein F\u00e4hrmann eine Rolle, der oft zuf\u00e4llig selber ein magisches Wesen ist. Dieses Grundmotiv verarbeitet auch de Burgh in seinem Lied. Mithin geht es darin um eine magische Weltsicht, innnerhalb derer Handlungsanweisungen gegeben werden. Sowas nennt man Zauberei.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie das mit Metaebenen so ist, so kann man jene auch hier auf ziemlich viele Bereiche anwenden. Spannend und auff\u00e4llig dabei ist: Es geht auch prima f\u00fcr die Politik. Es geht f\u00fcr Parteipolitik, Lokalpolitik und gr\u00f6\u00dfere Gewichtigkeiten gleicherma\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Der F\u00e4hrmann ist dabei immer derjenige, oder die Gruppe von Leuten, die den Politiker von A nach B bef\u00f6rdert. Das sind h\u00e4ufig W\u00e4hler, manchmal eine ausgezeichnete Gruppe von Exzellenzen (eine Fraktion, ein Gremium, ein Ausschuss, etc.), manchmal Verwaltungsstrukturen. Das Ziel ist vom Politiker abh\u00e4ngig. Manchmal ist es Krempel, den er dem erf\u00fcrchtigen Wahlvolk versprochen hat, manchmal ist es ein abstrakteres Ideal, manchmal ist es schn\u00f6der Mammon, manchmal ist es ein finsterer Plan zur Weltherrschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der F\u00e4hrmann im \u00fcbertragenen Sinne ist derjenige, der so klug oder bl\u00f6d war, den Politiker ans Ziel zu bringen. Und hier kommt Chris de Burgh ins Spiel: \u201eDon\u00b4t pay the ferryman \/ Don\u00b4t even fix a price \/ Don\u00b4t pay the ferryman \/ Until he gets you to the other side\u201c. Gibt man als Politiker dem W\u00e4hler n\u00e4mlich, was er will, bevor er einen gew\u00e4hlt hat, so hat selbiger keine Motivation mehr f\u00fcr die Wahl. Man muss ihn oder den sonst zust\u00e4ndigen Menschen also immer etwas hungrig halten, damit der einen \u00fcbersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle bin ich als finsterer Zauberer nat\u00fcrlich fein raus. Es versteht ja sowieso kein Schwein, was ich mache. Ich kann ruhig sagen, dass man sich f\u00fcr eine w\u00fcnschenswerte gesellschaftliche Entwicklung zum den Anfang mit nicht-aristotelischer Logik besch\u00e4ftigen sollte. Das macht kaum einen Unterschied in der Frage, ob sie mich w\u00e4hlen\/\u00fcbersetzen. Die meisten Leute schlackern ja doch nur mit den Ohren.<\/p>\n\n\n\n<p>Man mag nun einwenden, dass das von Herrn de Burgh angemerkte reine Aushandeln des Preises sowas wie ein Wahlversprechen w\u00e4re. Das stimmt zwar, ist aber gleichzeitig auch ein Grund, warum Wahlversprechen so selten richtig eingehalten werden. &#8211; Wobei man in einigen F\u00e4llen nat\u00fcrlich auch mit Wunschdenken und absichtlichem Missverstehen rechnen muss. &#8211; Der Politiker l\u00e4sst dann Wahlversprechen unerf\u00fcllt, um sp\u00e4ter aufgrund derselben Babbelei wiedergew\u00e4hlt zu werden. So ein Vorgehen trifft zwar unsch\u00f6ne Aussagen \u00fcber Kreativit\u00e4t und Couchkartoffeligkeit von Politikern und W\u00e4hlern gleicherma\u00dfen &#8211; aber offensichtlich funktioniert es.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ganze f\u00fchrt in einen Teufelskreis aus magischem Denken. Bravo! Wenn man etwas nicht hinreichend versteht, ist schlie\u00dflich Zauberei die Ursache.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei w\u00e4re es aus W\u00e4hlersicht ganz einfach, den Spie\u00df umzudrehen, und den Politiker als F\u00e4hrmann zu betrachten. Man k\u00f6nnte ihn auch einfach nur genau dann w\u00e4hlen, wenn er einen bereits \u00fcbergesetzt (seine letzten Wahlversprechen erf\u00fcllt) hat. Aber dann m\u00fcsste man sich ja an neue Themen gew\u00f6hnen, weil die alten nicht mehr aktuell w\u00e4ren. Also lassen allzu viele W\u00e4hler zu, vom Politiker (als F\u00e4hrmann) angestellt zu werden. Ihr Lohn sind ein paar Luftballons, Aufkleber und Kugelschreiber im Wahlkampf. Daf\u00fcr bringen sie den Politiker ans Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kreativen auf beiden Seiten betrachten das mit Verwunderung. Also wird sich am Kopf gekratzt, weil niemand \u201eDon\u00b4t Pay The Ferryman\u201c von Chris de Burgh richtig geh\u00f6rt hat &#8211; oder etwas vergleichbares. Blo\u00df gut, dass ich jetzt da bin, um Dimensionsportale in dem einen oder anderen Hinterkopf zu \u00f6ffnen. Da darf ich ich mir mal selbst auf die Schulter klopfen f\u00fcr meine Analysen. Damit das Volk so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, muss es n\u00e4mlich anfangen, mehr nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p>So die Moral von der Geschicht\u00b4: Bezahl vorab den F\u00e4hrmann nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt b\u00f6se!<\/p>\n\n\n\n<p>Euer Tobias, der sehr finstere<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es scheint gerade so eben genug Mu\u00dfe zu herrschen f\u00fcr etwas Magietheorie. Also los! In den vergangenen Tagen ist mir n\u00e4mlich aufgrund von Internet-Links ein altes Lied mal wieder im Kopf herumgespukt. Nein, ich meine nicht das eher dahinpl\u00e4tschernde \u201eCharon\u201c von Grave Digger. Ich meine tats\u00e4chlich \u201eDon\u00b4t Pay The Ferryman\u201c von Chris de Burgh. 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