{"id":4119,"date":"2022-06-12T12:38:17","date_gmt":"2022-06-12T10:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/bojournal.de\/?p=4119"},"modified":"2022-06-12T12:38:21","modified_gmt":"2022-06-12T10:38:21","slug":"positionelle-antraege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bojournal.de\/?p=4119","title":{"rendered":"Positionelle Antr\u00e4ge"},"content":{"rendered":"\n<p>So, mittlerweile dauert mir das alles zu lange. St\u00e4ndig muss ich wem was erkl\u00e4ren, weil niemand sonst mein Genie besitzt. Das kostet Unmengen an Zeit, und ich verzettele mich zwangsl\u00e4ufig in kleinen Kleinigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Also steht es nun wohl an, dass ich euch etwas mehr enth\u00fclle von den Geheimnissen von Magie und Zauberei, meine Untertanenen! Das tue ich, damit ihr das n\u00e4chste Mal schneller schaltet. Eine minimale Hoffnung bleibt mir jedenfalls in der Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"401\" src=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-1024x401.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3133\" srcset=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-1024x401.png 1024w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-300x118.png 300w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-768x301.png 768w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1.png 1049w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Nehmen wir darum nun das Schachspiel als Vergleich an die Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Darin gibt es zun\u00e4chst einmal Strategie und Taktik. Die Taktik ist kurzfristig. In der Taktik rechnet man \u00fcber eine \u00fcberschaubare Anzahl von Z\u00fcgen bis zu einem konkreten Ziel, etwa dem Gewinn einer Figur. Die Strategie ist langfristig. Strategisch plant man seine Vorgehensweise f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen Teil der Partie. Das kann etwa ein verst\u00e4rktes Spiel an einem Fl\u00fcgel sein, eine grunds\u00e4tzlich defensive Vorgehensweise, oder ein Minorit\u00e4tsangriff.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dar\u00fcber hinaus gehenden Konzepten schlackern viele Leute mit den Ohren. Ein Spiel auf Zeit leuchtet vielleicht noch dem Einen oder Anderen ein. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr psychologische Kniffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ein Verweis auf positionelles Spiel l\u00f6st bei der Mehrheit der Erdlinge ziemlich lange Gesichter aus. Das gilt leider nicht nur f\u00fcr Goblins. Also, liebe Kinder: Was ist positionelles Spiel?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Schach ist es ein positionelles Vorgehen, wenn man eine Figur auf ein Feld stellt, auf dem sie richtig steht. Dabei hat man aber keinen weiteren Plan, und bezweckt nichts Konkretes, au\u00dfer die Figur auf ein Feld zu stellen, auf dem sie gut steht. Gut steht sie auf einem Feld nicht nur, wenn sie dort aktuell etwas man machen <em>kann<\/em>, sondern, wenn sie da theoretisch unter anderen Umst\u00e4nden etwas machen <em>k\u00f6nnte<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Prinzip l\u00e4sst sich auf andere Lebensbereich umsetzen. Dort wirkt es dann unverstanden, und mithin magisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatte ich die tolle Idee, ungef\u00e4hr sowas in der Politik auch zu treiben, namentlich mit Antr\u00e4gen und sonstigem Schriftgut. Mein Gedanke dabei war, dass andere Leute f\u00fcrchterlich viel Zeit mit Staunen verbringen k\u00f6nnten, weil solcherart gesetzte positionelle Antr\u00e4ge etwas bewirken, obwohl sie gar keine monokausal ausrechenbare Wirkung haben, wie der Rest von dem Zeugs.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Folge sollen Leute ehrf\u00fcrchtig erschaudern vor der Magie, die sie solcherart zu sp\u00fcren bekommen. Das war der Plan. Nur leider fische ich proportional im Tr\u00fcben, je weniger die Leute verstehen. Die indirekten, r\u00e4umlichen Wirkungen sind wie geplant vorhanden. Aber die Figuren \u00fcberhaupt erst in Position zu bekommen, erweist sich als komplizierter als gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder zur\u00fcck beim Schach kann eine Figur eine halbwegs begrenzte Art von Z\u00fcgen machen, wenn sie denn (bei passender Gelegenheit) aktiv wird, eine Dame mehr, ein Bauer weniger. Das Spiel findet solange aber um sie herum und an ihr weitgehend vorbei statt. Die Figur wird nur dem Gegner st\u00e4ndig unangenehm im Wege herum stehen und st\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4hert sich ihr das weitere Spielgeschehen, so kann sie auch direkt eingreifen. Aber das war nicht das Ziel, als sie in Position gebracht worden ist. Zu dem Zeitpunkt waren die Vorg\u00e4nge \u00fcberhaupt noch nicht absehbar, die nun relevant werden. &#8211; Sollte ich hier erg\u00e4nzen, dass die \u00fcberwiegende Zahl der heutigen Schachgro\u00dfmeister zu einem wesentlichen Teil mit positionellen Z\u00fcgen plant?<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend \u00fcbertragen muss es auch in der Politik gelten. Die \u201eFiguren\u201c dabei sind aber nicht die Zettel, auf denen die Antr\u00e4ge meinethalben ausgedruckt sind. Es sind die in ihnen enthaltenen Ideen. Diese setzen sich durch, wenn ihre Zeit gekommen ist. Die Art und Weise, wie sie das tun, steht aber zu dem Zeitpunkt, da man sie in Position bringt, nur sehr bedingt fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Ideen beinhalten M\u00f6glichkeiten, wie sie real werden k\u00f6nnen. Auch sie schlummern scheinbar und werden aktiv, sobald sich eine Stellung in ihre Richtung verschiebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee von Statuen etwa, die erst im Winter sichtbar werden, kann im Winter in den K\u00f6pfen aktiver sein als im Sommer, auch, wenn ein dazugeh\u00f6riger Antrag im Sommer eingebracht worden ist. Er \u201eschlummert\u201c dann, w\u00e4hrend er einen Raum kontrolliert. Er wird zum Beispiel aktiv, wenn eine Person (zuf\u00e4llig oder nicht) an einer Stelle vorbeil\u00e4uft, die sich f\u00fcr so eine Statue besonders eignen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliches gilt an vielen anderen Stellen. Positionelles Spiel bedeutet, Positionen zu besetzen, bevor es jemand anders macht. Ob oder wann ihre Macht sich entfaltet, steht erst einmal in den Sternen. Aber je mehr Positionen man besetzt hat, desto wahrscheinlicher wird es, dass einzelne davon relevant werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Politik ist es au\u00dferdem wichtig, Positionen zu haben, die nicht schon jemand anders hat. Das Spiel ist offen und erweiterbar, und es hat erheblich mehr als nur 32 Figuren und 64 Felder. F\u00fcr die Praxis ist es dazu hilfreich, m\u00f6glichst neue Konzepte einzubringen. Sonst hat jemand anders eine Position doch schon irgendwo.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn alles glatt l\u00e4uft, ploppt dann am Ende sp\u00e4ter irgendwo eine Position hervor, und eine Idee wird real, wo es niemand vorher erwartet hatte. Dann kucken alle Leute bl\u00f6d aus der W\u00e4sche und denken sich: \u201eSo etwas kann nicht sein. Da muss jemand Zauberei angewandt haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt b\u00f6se!<\/p>\n\n\n\n<p>Euer Tobias, der sehr finstere<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, mittlerweile dauert mir das alles zu lange. 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