{"id":4138,"date":"2022-07-03T15:49:59","date_gmt":"2022-07-03T13:49:59","guid":{"rendered":"https:\/\/bojournal.de\/?p=4138"},"modified":"2022-07-03T15:50:31","modified_gmt":"2022-07-03T13:50:31","slug":"merkwuerdig-gute-laune","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bojournal.de\/?p=4138","title":{"rendered":"Merkw\u00fcrdig gute Laune"},"content":{"rendered":"\n<p>Die zur\u00fcckliegende Sitzung des Stadtrates (am 21.6.2022) war seltsam. Die Rahmenbedinungen waren eher d\u00fcrftig, und dennoch herrschte eine gel\u00f6ste Stimmung im Saal. Entsprechend fielen auch die rituellen Kloppereien aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Formal hatte jemand die 0,5 l-PET-Flaschen im K\u00fchlschrank gegen 0,2 l-Glasflaschen ausgetauscht. Dazu standen nun statt Wassergl\u00e4sern Wei\u00dfweingl\u00e4ser auf unseren Tischen. Vielleicht waren es auch sehr gro\u00df geratene Sherry-Gl\u00e4ser. Um hier eine Endaussage zu treffen, br\u00e4uchte man wohl eine Statistik \u00fcber den Sherry-Konsum im Ruhrcongress. Die Cola konnte man aber auch da rein kippen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"401\" src=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-1024x401.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3133\" srcset=\"https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-1024x401.png 1024w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-300x118.png 300w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1-768x301.png 768w, https:\/\/bojournal.de\/files\/2021\/01\/zauberer-fb-1.png 1049w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Wetter war warm, aber nicht hei\u00df an dem Tag. Die Maskenpflicht war endlich aufgehoben. Zwar bat der OB am Anfang rountinem\u00e4\u00dfig darum, das Teil auf zu behalten. Das tat aber kaum noch jemand, weitgehend unabh\u00e4ngig von den in meiner Sichtweite befindlichen Fraktionen. Au\u00dferdem musste man es de facto auch so halten. Die Klimaanlage pumpte n\u00e4mlich f\u00fcr meinen Geschmack nicht genug Sauerstoff in den Raum. Deshalb konnte man lustig werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4rgerlich war das mal wieder viel zu volle Programm. Wir hatten \u00fcber vierzig Punkte, \u00fcber die wir h\u00e4tten beraten k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich stellten sich dabei einige als beliebter heraus denn andere; zumindest, was die Diskussionen anging. Gegen Ende meinte in dem Zusammenhang so ein herumstehender Vorsitzender der CDU, die Verwaltung m\u00f6ge doch lieber mal eine Sitzung mehr anberaumen, anstatt die anwesenden Gro\u00dfwesire und den Rest zu einem Fegefeuer der geistigen Unausgeruhtheit und Mockiertheit zu verdammen. Darob wurde ihm allseits Beifall gespendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonst wurden schon wieder argumentative Gesch\u00fctze aufgefahren wegen dem Haus des Wissens. Hauptamtliche Rechengenies hatten wegen dem Ding n\u00e4mlich zus\u00e4tzliche Kosten aus dem \u00c4rmel gesch\u00fcttelt. Doch bereits hier zeigte sich die allgemeine Unlust zu w\u00fcsten Schlagabt\u00e4uschen. Man war sich im Endeffekt einig, dass man das Bauwerk haben, aber kein Geld daf\u00fcr ausgeben wollte. Aber weil ging sonst nicht musste was musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hatten dazu als Fraktion eigentlich noch eine dynamische Kostenobergrenze implementieren wollen. Das kam mir wie eine ganz tolle Idee vor. Irgend so ein Typ n\u00f6lte dann herum, \u201eatmende Deckel\u201c w\u00e4ren noch nie eine gute Idee f\u00fcr Bauprojekte gewesen. Leider blieb er eine Begr\u00fcndung f\u00fcr seine These bis auf Weiteres schuldig. Wegen Gemeinheiten dieser Art wurde unsere formalistische Innovation jedenfalls abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im selben Zusammenhang gab es auch noch einen Antrag f\u00fcr einen Ratsb\u00fcrgerentscheid. Dieses komplizierte Wort w\u00e4re inhaltlich auf ein Element direkter Demokratie f\u00fcr zugeh\u00f6rige Entscheidungsprozesse hinaus gelaufen. Das wollte aber die Mehrheit im Rat auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab dazu noch eine namentliche Abstimmung, deren Sinn sich mir nicht wirklich erschlossen hat. Es war eigentlich klar, wer wie w\u00e4hlen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur, warum ein gewisser Turbopolitiker dagegen gestimmt hat, wei\u00df ich nicht. Vermutlich war er zu schnell f\u00fcr den Antrag. Er war sogar so schnell, dass er kurz danach mit der Sitzung fertig war, wo alle Anderen vor lauter Langsamkeit noch mehr als die H\u00e4lfte derselben vor sich hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>So verpasste er nicht nur eine Reihe langatmiger Reden und Umbesetzungsantr\u00e4ge, sondern auch den abschlie\u00dfenden halbgaren Streit um eine Fortsetzung f\u00fcr das 9-Euro-Ticket. Ich musste mich ziemlich zusammenrei\u00dfen, um ans Rednerpult zu torkeln, und dort ein oder zwei Punkte anzumerken, die mir wichtig waren. Aber da die Koalition sowieso in meinem Sinne gearbeitet hatte, war das nur auf Metaebenen entscheidend. Auch darum wurde deshalb eher patzig gek\u00e4mpft, als bis aufs Blut.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit verbleibt als abschlie\u00dfende Frage: Warum waren wir alle so komisch entspannt-lustlos an dem Tag? H\u00e4tte jemand einen Zauber dazu gewirkt, w\u00e4re mir das aufgefallen. War es also doch der mangelnde Sauerstoff kombiniert mit der Dauer der Sitzung? Oder hatten gar G\u00f6tter ihre Finger im Spiel?<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte sich so ein Vorfall wiederholen, werde ich wohl Ma\u00dfnahmen zur magischen Kontrolle einleiten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt b\u00f6se!<\/p>\n\n\n\n<p>Euer Tobias, der sehr finstere<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zur\u00fcckliegende Sitzung des Stadtrates (am 21.6.2022) war seltsam. Die Rahmenbedinungen waren eher d\u00fcrftig, und dennoch herrschte eine gel\u00f6ste Stimmung im Saal. Entsprechend fielen auch die rituellen Kloppereien aus. Formal hatte jemand die 0,5 l-PET-Flaschen im K\u00fchlschrank gegen 0,2 l-Glasflaschen ausgetauscht. Dazu standen nun statt Wassergl\u00e4sern Wei\u00dfweingl\u00e4ser auf unseren Tischen. 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