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Neuer Stadtkämmerer darf nicht nur Notnagel sein.

Neuer Stadtkämmerer darf nicht nur Notnagel sein.
März 24
13:57 2017

Die Bewerbungen für die Neubesetzung des Stadtkämmerers sind sowohl von der Anzahl als auch von der Qualität arg überschaubar. Das Bewerberfeld für die Nachfolge von Dr. Manfred Busch, das tatsächlich nur ein kleines Bewerbergrüppchen ist, kann man nur als ernüchternd bezeichnen. Niemand von den Kandidatinnen und den Kandidaten erfüllt in vollem Maße die Anforderungen an die Führungskompetenzen. Niemand bringt sehr gute Leitungs- und Verwaltungserfahrungen mit. Und es ist schon auffällig, dass sich kein Kämmerer einer anderen Kommune beworben. Von einer echten Auswahl kann daher nicht gesprochen werden.

Die Bewerberlage wurde mittlerweile den Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat dargestellt. Zudem haben sich Kandidatinnen und Kandidaten auch im Ältestenrat vorgestellt. In dieser Woche konnten alle Ratsmitglieder zudem Einsicht in die Bewerberunterlagen nehmen.

Die Aufgaben eines Stadtkämmerers haben zentrale Bedeutung für unsere Stadt. Als Bochumer ‚Finanzminister‘ muss man nicht nur den Überblick über den Millionenhaushalt haben, sondern muss auch mit einem milliardenschweren Schuldenstand umgehen können. Das ist nichts für Anfänger. Wir brauchen einen Fachmann, der sich bereits erste Sporen als Kämmerer in einer kleineren Kommune oder als Leiter eines Amtes für Finanzen einer größeren Stadt erworben hat.

Das Problem der dünnen Bewerberlage ist zudem hausgemacht. Ein kommunaler Spitzenposten in Bochum, der immerhin mit fast 9.000 EUR brutto pro Monat besoldet wird, ist ja auch nicht unattraktiv. Aber wenn die Grünen auch noch öffentlich durchschimmern ließen, dass sie ein gewisses Anrecht auf den Vorschlag für den Posten haben, werden viele potentielle gute Kandidaten bereits im Vorfeld von einer Bewerbung abgesehen haben. Kein hochqualifizierter Fachmann möchte den Alibikandidaten spielen, wenn es schon ausgemachte Sache ist, wer ins Amt gehievt werden soll.

Nun rächt es sich auch, dass ein Antrag der Fraktion „FDP & DIE STADTGESTALTER“ zur Beauftragung eines Personalberaters im Rat abgelehnt wurde. Ein Personalberater hätte aktiv auf potentielle und qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten zugehen können. Wäre man diesen Weg gegangen, hätte man sicherlich ein besseres Bewerberfeld und eine echte Auswahl gehabt. Jemanden, den man für den Posten in einem millionenschweren Finanzumfeld noch anlernen oder umschulen muss, werden wir jedenfalls nicht tragbar.

Die Fraktion „FDP & DIE STADTGESTALTER“ wird zur Ratssitzung am 30. März einen Dringlichkeitsantrag stellen, sich erneut auf die Bewerbersuche zu begeben. Darin will die Oppositionsfraktion fordern, dass der Zug noch mal auf die Gleise gesetzt wird und ein externer Berater aktiv nach einem guten Kandidaten sucht.

Es bleibt festzuhalten: Jemand aus der aktuellen Bewerberliste wäre nur ein Notnagel. Die zweitbeste Lösung ist immer auch die erstschlechteste Lösung. Beim wichtigsten Dezernentenposten im Verwaltungsvorstand brauchen wir unbedingt die beste Lösung für Bochum.

Über den Autor

Felix Haltt

Felix Haltt

Mitglied des Rates der Stadt Bochum und Vorsitzender der Fraktion FDP & Die STADTGESTALTER

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