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Bochum muss sich radikal neu erfinden.

Bochum muss sich radikal neu erfinden.
September 05
17:24 2017

 

Eins ist sicher, nämlich dass sich alles verändert. Auch unsere Heimatstadt wird sich dem nicht entziehen können. Und wenn man ehrlich ist, war das schon immer so. Unser heutiges Bochum hat nichts mehr gemein mit dem Bochum unserer Urgroßeltern. Konnten wir die meisten Veränderungen aber oft erst in einer generationenübergreifenden Rückschau erkennen, wenn man alte Polaroids oder noch ältere Landschaftszeichnungen an unsere heutigen Eindrücke hält, drückt uns mittlerweile der globalisierte technologische Fortschritt mit Urkräften in die Zukunft. Der Golf VI mit Dieselmotor könnte uns bald schon so überholt vorkommen wie ein altes Ford T-Modell.

Wir Menschen leben in einer Stadt die gerecht zum Auto ist. Spätestens als die verplanten Häuserschluchten mit der stetigen Zunahme an Kraftfahrzeugen an die Grenzen der Aufnahme- und Leitfähigkeit gekommen sind, verlärmt diese überholte Idee unsere Gesundheit, staut die Lebensqualität, überfährt Flächen und bremst die ganze lokale Wirtschaft ein. Das Festhalten an der autogerechten Stadt, in der unser Verkehr schon lange nicht mehr schnell fließt, egal ob 50 oder 70 Km/h auf Papier und Straßenschild erlaubt sind, ist selbstverletzendes Verhalten. Die autogrechte Stadt wurde geplant, als der Weg zum Ziel nur über den Asphalt führte und als noch niemand erahnen konnte, dass sich Lebensmittel genau so leicht über das Internet bestellen und anliefern lassen. Bald sogar mit einer Drohne. Die Stadt musste nicht besonders attraktiv sein, da sie keine Konkurrenz hatte. Heute muss die Stadt dem Menschen gerecht werden.

Eine Stadt wie Bochum, die neue Gewerbe- und Wohnflächen mit der Lupe sucht, verspielt mit den hunderten Quadratmeter, die mit verparkten Autos blockiert sind, ein großes Potential. Echte Sadisten brauchen heute im Berufsverkehr auf dem Süd-Ring nur ein Rückwärts-Einpark-Manöver einleiten, um tiefe Lust aus dem Frust, der Wut und dem Stress der anderen Verkehrsteilnehmer zu ziehen, die sich hinter ihnen in einem Lindwurm stauen. Wir müssen den Lebensraum nutzbar machen und nicht mit Produkten vollstellen, die höchstens ein bis zwei Stunden am Tag benötigt werden. Der freiwerdende Raum ist ein großes Konjunkturprogramm, denn die damit verbundene Qualitätssteigerung lässt Wirtschaftszweige wie Restaurants, Cafés, Marktstände, aber auch den Einzelhandel aufblühen, denn wo ihr Platz gelassen wird, findet die Wirtschaft immer Ideen, um zum Verweilen und zum Shoppen einzuladen.

Dafür müssen wir unseren Verkehr radikal neu denken. Die BOGESTRA steht vor der umwälzenden Erneuerung ihres gesamten Betriebsverständnisses und gleichzeitig vor dem größten Bedeutungsgewinn jemals. Während das aufkeimende autonome Fahren einige Berufe bei unserem Verkehrsbetrieb obsolet macht, wird die Ausweitung zu einem vollen digitalen Mobilitätsdienstleister ganz neue Berufsbilder schaffen. Je mehr Autokonzerne dabei merken, dass sie in Zukunft nicht einfach ein Vehikel bauen und verkaufen können, sondern ebenfalls Mobilität als moderne Dienstleistung ins Programm nehmen müssen, wird hier der Anspruch an Komfort und Service sprießen. Daneben wird das Fahrrad mit all seinen modernen Optimierungen und Kombinationen eine wichtigere Verkehrsmittelrolle übernehmen. Unsere Verkehrswege müssen sich daran anpassen und die „Grüne Welle“ für Radfahrer zum Standard machen. Ladestationen für E-Bikes gehören dabei genauso in den Blick wie für E-Autos und E-Roller. Aus der kümmerlichen Radstation am Bochumer Hauptbahnhof werden verteilte kleine Fahrradparkhäuser, die überall ein bequemes Parken, Laden uns sicheres Abstellen für manch teures und/oder geliebtes Gefährt ermöglichen. Auch für die letzte Meile der Auslieferungsfahrten bieten sich hier Chancen.

Die Sicherheit wächst mit der Verkehrswende auch gleich mit, denn die Straße bleibt keine gefährliche Schlucht, in der Kinder durch den Fahrzeugstrom weggerissen werden. Das autonome Fahren und der Fahrradfahrer sind viel sicherer als der gestresste Autofahrer im SUV. Die Vorteile des Konzeptes werden daher nicht an den Ausfalltoren der Innenstadt halt machen. Menschen werden die gleichen Anforderungen für ihr Wohnumfeld einfordern. Autoreduzierte Stadtteile gibt es bereits testweise in wenigen Städten, aber in Bochum sollte dies zum Standard werden können. Dass wir das nicht von heute auf morgen leisten können ist klar. Umso wichtiger ist es deswegen, jetzt radikal zu denken und unserer Stadt einem Zukunfts-TÜV zu unterziehen.

Die Fraktion FDP & DIE STADTGESTALTER beantragt daher: „Die Art und Weise der Mobilität von Morgen wird über Jahrzehnte den Grundstein für eine attraktive Stadt mit großer Lebensqualität bestimmen. Die Stadt Bochum stellt daher ein Verkehrswendekonzept auf, das die Mobilität im urbanen Raum an die Anforderung der Zukunft ausrichtet. Die Zielsetzung des Konzeptes soll daher ganz bewusst und radikal für die Zukunft gedacht und in Zusammenarbeit mit Namenhaften Stadt- und Verkehrsplanern sowie Zukunftsforschern erarbeitet werden.“

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Dennis Rademacher

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Mitglied des Rates der Stadt Bochum

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