Beitrag

Schauspielhaus: Nummer sicher statt großer Wurf.

Manfred Kopka

Schauspielhaus: Nummer sicher statt großer Wurf.
Februar 07
13:20 2016

Das soll also nach monatelanger Sucherei der große Wurf sein? Das Schauspielhaus als kulturelles Flaggschiff Bochums braucht eine kreative Intendanz, die das Renommee des Hauses weiter fortführt, aber auch neue Ideen mitbringt. Mit dem Niederländer Johan Simons kommt zweifellos ein Theatermacher, der sich einen Namen gemacht hat und einige Theaterpreise im Gepäck hat. Vielleicht mag man Simons sogar zugestehen, dass er ein ‘Wilder’ ist, ein ‘junger Wilder’ ist er zweifellos nicht. Wenn er seine Intendanz antritt, wird er 72 Jahre alt sein, bis zum 77. Lebensjahr soll er das Schauspielhaus führen. Da wird sich erweisen müssen, ob er nötigen Schwung über die ganze Zeit hochhalten kann. Eine Personalentscheidung, die in die Zukunft weist, ist der Beschluss sicherlich nicht.

Unglücklich ist jedenfalls auch, wann Simons überhaupt seine Intendanz antritt. Die lange Hängepartie bei der Nachfolgesuche für Anselm Weber hatte bereits für einige Unruhe gesorgt, die dem Schauspielhaus nicht gut getan hat. Daher ist es jetzt alles andere als optimal, dass man keinen nahtlosen Übergang von Weber zu Simons bekommt. Da Simons seinen Vertrag bei der Ruhrtriennale erfüllen will und erst zur Spielzeit 2018/19 ans Schauspielhaus kommt, müssen der Chefdramaturg Olaf Kröck und der Betriebsdirektor Stephan Wasenauer die Lücke überbrücken, wenn Anselm Weber nach der Spielzeit 2016/17 geht. Dadurch entsteht ein Schwebezustand zwischen den Intendanzen, der auf Kosten einer klaren Kontinuität geht.

Das ‘Haus der Kulturen’, das Simons vorschwebt, ist eine spannende Idee, um dem Bochumer Theater mehr Internationalität zu verleihen. Wie weit Simons jedoch auch mal bereit ist, gegen den Strich zu bürsten, lässt sich nicht absehen. Als er 2014 in Wien Jean Genets provokantes Stück ‘Die Neger’ inszenierte, waren die Kritiken eher weniger überzeugend. Von einem ‘sinnlosen und öden Theaterabend’ sowie von ‘politischer Ahnungslosigkeit’ war die Rede. Simons wurde gar vorgeworfen, dass er politische Inkorrektheit meide wie der Teufel das Weihwasser. Dem Schauspielhaus Bochum wäre zu wünschen, dass er da durchaus auch mal auf Provokation setzt.

Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass die Suche nach einem neuen Intendanten nicht durch Mut oder die Bereitschaft, etwas Neues zu wagen, geprägt war. Nachdem die Dauer der Suche schon für negative Schlagzeilen gesorgt hat, wollte der Kulturdezernent sich offenbar nicht noch eine polarisierende Personalentscheidung leisten, sondern ging lieber auf Nummer sicher. Der Zauber eines echten Neuanfangs stellt sich somit erst mal nicht ein.

Über den Autor

Felix Haltt

Felix Haltt

Mitglied des Rates der Stadt Bochum und Vorsitzender der Fraktion FDP & Die STADTGESTALTER

Ähnliche Beiträge

0 Kommentare

Bisher keine Kommentare!

Bisher keine Kommentare. Möchten Sie einen Kommentar schreiben?

Schreib einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Suche

Schuldenuhr

Kalender

Dezember 2017
Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
27. November 2017 28. November 2017 29. November 2017 30. November 2017 1. Dezember 2017 2. Dezember 2017 3. Dezember 2017
4. Dezember 2017 5. Dezember 2017 6. Dezember 2017 7. Dezember 2017 8. Dezember 2017 9. Dezember 2017 10. Dezember 2017
11. Dezember 2017 12. Dezember 2017 13. Dezember 2017 14. Dezember 2017 15. Dezember 2017 16. Dezember 2017 17. Dezember 2017
18. Dezember 2017 19. Dezember 2017 20. Dezember 2017 21. Dezember 2017 22. Dezember 2017 23. Dezember 2017 24. Dezember 2017
25. Dezember 2017 26. Dezember 2017 27. Dezember 2017 28. Dezember 2017 29. Dezember 2017 30. Dezember 2017 31. Dezember 2017
Blog folgen

Erhalten Sie zu jedem neuen Artikel eine Nachricht per Mail.

Mail senden an: