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Bautrolle

Januar 26
13:47 2021

Ein typisches Lebewesen in der magischen Fauna Deutschlands ist der sogenannte “Bautroll”. Mittlerweile ist er auch im Ruhrgebiet häufig anzutreffen. Ich wundere mich daher über mich selber, sein Wirken in Bochum nicht schon früher bemerkt zu haben. Gemeinhin werden Trolle als Wildformen der zivilisationsnahen Kobolde betrachtet. Bautrolle im speziellen jedoch sind Kulturfolger. Es wird vermutet, dass es sich evolutionsgeschichtlich um Felstrolle handelt, die sich der Lebensweise von Höhlenmenschen angepasst haben.

Wie alle Trolle so haben auch Bautrolle die Fähigkeit, für einen Betrachter mit ihrer Umgebung zu verschmelzen (“Mimikri-Effekt”). Felstrolle tarnen sich so als Felsen, Waldtrolle als Büsche oder Bäume, und Seetrolle als Wellenmuster. Bautrolle im speziellen erinnern an unbewegliche Teile einer Baustelle. Dies können Wandausschnitte oder Objekte unterschiedlicher Art sein.Typisch ist dabei, dass unbedarfte Passanten durch die Trollmagie nachdrücklich davon abgehalten werden, sich mit ihnen zu beschäftigen. Dem zoologisch interessierten Bürger hilft dann die indirekte Betrachtungsmethode: Man gehe eine Baustelle ab und zeichne alles auf einer Karte ein! Dann gehe man nach Hause, studiere die Karte, und überlege, was man ausgelassen hat! Danach kann man auf der Baustelle zurück an den übrigen Stellen experimentieren. Manche Bautrolle reagieren empfindlich auf Wasser, auf Feuer oder auf Glitzerstaub. Damit kann man ihnen Reaktionen entlocken. Doch Vorsicht! Viele Bautrolle haben menschliche Sklaven in ihrer Gesellschaft, die solche Erkundungen zu unterbinden versuchen.

Will man zur Zeit Bautrolle in Bochum beobachten, so kann man dies an unterschiedlichen Stellen tun. Ich greife einmal zwei gegensätzliche heraus:

Ein besonders prächtiges Exemplar scheint in Dahlhausen ein Nickerchen zu halten. Über die Schlafdauer von Bautrollen gibt es unterschiedlichen Angaben. Ich meine jedenfalls, mich bereits seit den 1980ern an eine konstante, lehmige Freifläche an der Dr-Carl-Otto-Straße ein Stück vor dem Eisenbahnmuseum zu erinnern. An deren Zustand hat sich nie etwas geändert.

Nun aber soll ein Neubaugebiet an der Straße “Am Ruhrort” quer gegenüber davon entstehen. Dabei sollen jede Menge Grün samt Kleingärten platt gemacht werden. An das Bebauen der Schlammfläche scheint jedoch niemand zu denken. Hier ist Trollmagie am Werke! Offensichtliche wollen menschliche Helfer des schlafenden Bautrolls diesen nicht stören, und lieber die Anwohner ihrer Tomatenzucht berauben. Eine viel bessere Erklärung scheint dort kaum möglich zu sein.

Gegensätzliches Verhalten kann man bei Trollen am Husemannplatz beobachten. Es sind mehrere, denn die zu fokussierenden Stellen unterscheiden sich. Der Husemannplatz wird jedenfalls umgestaltet und deshalb finden Baumaßnahmen statt.

Dass sich unter dem Platz ein Parkhaus befindet, scheint den Bauherren allerdings offiziell erst später klar geworden zu sein. Doch ist dies glaubwürdig? Ich meine, ein Troll, der in entsprechender Tiefe seine Position ändert, wäre doch eine viel logischere Erklärung für die Planungsänderungen!?

Hinzu kommt der Jobsiadebrunnen. Dieser soll versetzt werden. Die dafür notwendige Umlegung von Wasserleitungen war bisher noch kein Thema. Hält ein entsprechender Troll sich bisher zurück, oder wurde er gar nicht gefragt? Dann wäre später mit weiteren Bewegungen zu rechnen, sobald sich jener beschwert. Die weitgehend eintönige Gestaltung der Fassaden um den Husemannplatz herum erweckt weiteren Argwohn beim versierten Beobachter. Jene soll ähnlich fortgeführtwerden. Warum? Ist dies auch das Werk von Bautrollen?

Die Ereignisse werden außerdem überschattet von der großen Baustelle am Ende des Platzes. Diese verändert sich unmerklich langsam, ohne, dass ich selbst viel Bewegung darauf sehen würde. Das entspricht etwa der Bewegunbgsrate mittelgroßer Trolle. Was also werden sie machen und wollen?

Interessant für den Bürger ist im Endeffekt, dass durch die laufenden Planungsänderungen dort Mehrkosten entstehen, die zu Lasten der Stadtkasse gehen. Sollten jene aberdas Werk von Trollen sein, so sind selbige selbstverständlich regresspflichtig! Ich empfehle eine eingehende Prüfung durch eine Sonderkommission.

Bleibt böse,
Euer Tobias, der sehr Finstere

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Paul Tobias Dahlmann

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    Ja, super. Jetzt habe ich durchwachsen geschlafen und komisch geträumt. Außerdem fehlt mir der eine große Aufhänger aus der Bochumer Lokalpolitik. Es gibt viele kleine, aber nichts Durchschlagendes. Also begebe ich mich nun teilweise auf das Feld der Traumdeutung und betätige mich im Weiteren als Prophet. Das hatten wir ja noch nicht. Bevor jemand fragt: Geträumt habe ich von einer magischen Statuette, die sich zyklisch veränderte. Sie symbolisierte Werden und Vergehen, wie bei Jahreszeiten der Fluss der Dinge hin und her schwappt. Sowas bezeichnet man im Großen als zyklisches Weltbild, und ist eigentlich immer bezogen auf einen Ausschnitt desselben. Dabei ist es eigentlich gar kein Kreis, der so beschrieben wird, sondern eine Sinuswelle. Zyklische Weltbilder und Zusammenhänge stehen im Widerspruch zur Idee eines dauerhaften Fortschritts, die sonst so beliebt ist. Zwar ergänzen sie sich real eher je nach Kontext, aber wen kümmert schon die Realität, wenn er auch Pauschalaussagen haben… Weiterlesen …. 

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