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Antragswust

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Ich schreibe hier und kann nicht anders – als mich zu fragen: Wo kommen eigentlich die ganzen Textdokumente im Bereich von Stadtrat und Verwaltung her? Davon hatte ich in den letzten Tagen doch zu viele vor der Nase.

Also: Irgendwann ist was öffentlich in Endfassung, na gut, von mir aus. Davor kommen allerdings nicht nur Anfragen, die auf abstruse Ideen abzielen. Es gibt außerdem Anträge, sobald jemand meint, seine abstruse Idee hätte Chancen, von aller Welt toll gefunden zu werden. Auf selbige kommen dann Änderungsanträge, weil aller Welten Einzelteile eigene Unterideen haben. Und zum Schluss schlägt man sich die Schädel ein, und es kommt nichts dabei herum. So ist es jedenfalls in arg vielen Fällen. Das Schriftgut artet im Laufe des Prozederes ziemlich stark aus.

Warum ist das so? Diese Frage kann ich als Zauberer mit praktischen Kenntnissen von magischen Techniken natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Also lege ich jetzt direkt einmal die Tarot-Karten und versuche dabei, herauszufinden, was dieser ganze Papierkrieg soll. Wohlan!

Erste Frage: Muss das so sein wie oben beschrieben?
Ich ziehe: Das Rad des Schicksals
Interpretation: Da sind höhere Mächte am Werk, die das mit dem Papierkrieg so wollen.

Zweite Frage: Wer ist verantwortlich für die Situation?
Ich ziehe: Die Gerechtigkeit
Interpretation: Ich soll als Politiker Verantwortung tragen auf die Weise. (Auch das noch!)

Dritte Frage: Und was soll ich jetzt machen?
Ich ziehe: Der Wagen
Interpretation: Ich soll einfach weiter meinem eingeschlagenen Weg folgen. (Wirklich innovativ ist dieser Ratschlag jetzt nicht.)

Vierte Frage: Kann mir irgend jemand dabei helfen?
Ich ziehe: Der Gehängte
Interpretation: Da ich selber am Rad drehe, hilft mir irgendwer, der auch am Rad dreht. Auf der einen Seite gibt es viele solche Leute, leider scheinen die aber auch oft planlos zu sein…

Fünfte Frage: Mit welcher Art von Zauberei lassen sich die Anträge lösen?
Ich ziehe: Das Gericht
Interpretation: Oha, das stimmt. Juristische Entscheidungen können Anträge schon recht final lösen.

Sechste Frage: Interessiert meine Leser diese ganze Fragestellung überhaupt?
Ich ziehe: Die Hohepriesterin
Interpretation: Mist, jetzt kommt so ein Kram mit magischen Frauen, mit etwas Pech sogar mit Göttern. Habe ich vielleicht verstärkt weibliche Leser, die Muttergottheiten anbeten?

Außerdem bemerke ich an dieser Stelle, dass sich die arkane Analyse im Kreis dreht. Am Anfang kam auch schon sowas Ähnliches. Im Gesamtbild scheint der leidige Kladderadatsch mit den Anträgen auf dem Mist irgendwelcher Götter gewachsen zu sein. Selbige haben ihre Vorstellungen dann an untere Ebenen auf der Welt deligiert. – Ob dort dann wer überfordert war? Zumindest könnte das Ergebnis übersichtlicher sein.

Und wir hier in der BRD des Jahres 2021 müssen dann die Spinnereien höherer Wesenheiten ausbaden. Ja, danke! (Das war zynisch gemeint.)

Ich halte damit fest: Es wird Zeit, dass sich die Götter endlich wieder den Zauberern beugen. Wir haben uns den Zinnober jetzt ein paar tausend Jahre lang angesehen, und allmählich ist es genug. Leute, lernt Zauberei! Sonst gibt es nicht nur Ärger mit dem Papierkrieg, sondern auch mit anderen Sozialstrukturen, die sich so ein paar Astralwesen aus unerfindlichen Gründen zurechtgelegt haben. So, wie ich mir die Dinge vorstelle, würde es aber besser funktionieren.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

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