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Strukturen der Macht

Januar 09
17:45 2022

So, ein neues Jahr (2022) hat begonnen, und meine Herrschaft über die Welt wird immer totaler.

Vor diesem Hintergrund halte ich es für eine gute Idee, euch als meine Untertanen mit den Strukturen der Macht vertrauter zu machen, durch welche ihr geknechtet werdet.

 Bekanntermaßen haben mich Leute in den Stadtrat gewählt. Einige davon frohlocken nun, und andere beißen sich in den Hintern. Wieder andere tun ähnliches umgekehrt, weil sie mich nicht gewählt haben.

Im Bochumer Stadtrat selbst wiederum sind momentan 86 dramatis personae, denen Vergleichbares wiederfahren ist, zuzüglich Seiner Oberbürgermeisterlichen Exzellenz Thomas Eisi Eiskirch und einigen technokratisch eingesetzten Leuten („Verwaltung“), die nie zur Wahl standen. Als Gefürchtete 86 unsererseits zerfallen wir in 8 Fraktionen, die sich bis aufs Blut befehden. Außerdem unterdrücken 2 der 3 stärksten solchen den Rest in geradezu sonnenköniglicher Manier.

Parallel zum Stadtrat gibt es in Bochum 6 gewählte Bezirksvertretungen. Diese sind ähnlich strukturiert, haben aber kaum was zu sagen.

Dem Leser weniger bekannt sein dürften nun aber die städtischen Ausschüsse. In jenen wird Politik zu Detailfragen gemacht. Das bedeutet: Die Koalition bestimmt auch hier den Lauf der Dinge – in der Theorie. In der Praxis habe ich dabei natürlich längst begonnen, mit ausgeklügelten Zaubern zu intervenieren. Eigentlich ist das ganz einfach: Man muss nur genau das machen, was die sonst anwesenden Menschen (Gnome etc.) nicht auf die Kette bekommen.

Auffällig ist aber auch besonders, dass viele der Ausschüsse lustige Namen haben. Ich sitze etwa persönlich im „Ausschuss für Kultur und Tourismus“, was sich dann AKT abkürzt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir dort nackig herumsitzen würden. Bei den meisten Anwesenden bin ich damit auch einverstanden. Über Ausnahmen bliebe separat zu diskutieren.

Desweiteren gibt es einen ABC, der jedoch für „Beteiligung und Controlling“ zuständig ist, und nicht etwa für i-Männchen. Selbige fallen in den Bereich des ASB, wobei das dann „Schule und Bildung“ heißt, und nichts mit Speisungen für Bedürftige oder der Bergung von Schwerverletzten auf dem Pausenhof zu tun hat.

Dass der AMI sich mit „Mobilität und Infrastruktur“ beschäftigt, könnte man auf die Autoverrücktheit von US-Amerikanern schieben. So, wie sich die Dinge schwerpunktmäßig dort aber entwickeln, wird er in der nächsten Wahlperiode wahrscheinlich EDamMehr „Ausschuss für Elektromobilität, Damenräder und infrastrukturelle Mehrbedarfe“ heißen.

Der UNO kümmert sich um „Umwelt, Nachhaltigkeit und Ordnung“. Ob die zuständigen städtischen Angestellten deshalb blaue Helme tragen, ist mir nicht bekannt.

Der „Ausschuss für Strukturentwicklung, Digitalisierung und Europa“ schließt hier in internationaler Weise an, verzichtet aber auf einen lustigen Namen. Warum? Mit kleinen Umstellungen hätte sich doch „DiStruktOpa“ angeboten.

Scheinbar ist der Ausdenker hier etwas faul gewesen. Vielleicht hat er auch gemeint, dass sich für die restlichen Ausschüsse, wie etwa den Rechnungsprüfungsausschuss, sowieso niemand interessieren würde. Dies ließe dann allerdings den weiteren Schluss zu, dass die lustigen Namen der Ablenkung dienen könnten. Doch welcher und wozu? Ich grüble.

Neben jenen komplett vom Rat aus besetzten Ausschüssen gibt es einige weitere Gremien, die jeweils speziellen Vorgaben folgen. Dabei geht es meist um Frauen hier und Greise dort. Der Kommunalwahlausschuss scheint auch außerhalb von Kommunalwahlen durch Abwesenheit zu glänzen.

Der (zu Hälfte direkt besetzte) Integrationsausschuss kürzt sich IA ab. Ob dazu allerdings zu integrierenden Personen der Wortwitz mit der Anekdote bei Till Eulenspiegel und dem Esel erklärt werden soll, wurde bisher nicht erklärt. – Oder ist gemeint, dass es um Ingenieursausbildungen an der RUB geht?

Ein besonderes Mysterium verbirgt sich in diesem Bereich jedoch auch noch: Denn warum haben wir einen Jagdbeirat (angeblich) ohne Mitglieder, der nie zusammentritt? Hat das vielleicht mit den ebenfalls nicht angeschafften Thermonuklearraketen zu tun, die keinesfalls in geheimen Silos bereitgehalten werden, weil niemand jemals Ufos über Hiltrop gesichtet hat?

Wie ihr seht, meine Leser, neigt die Stadt zu seltsamen Verschleierungen bei vielen ihrer Organe. Da hilft wohl leider nur mühsames Einarbeiten und sich dann später mit Orgien ablenken.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

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Paul Tobias Dahlmann

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