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Drachensichtungen

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ich schreibe mal einen Disclaimer vorweg:

Natürlich geht es im Folgenden um feuerspeiende Echsen von wechselhafter Intelligenz. Es geht nicht um verschieden geformte Flatterapparate, die in der Theorie bei Wind fliegen sollten, und es in der Praxis doch nicht tun.

Die Zahl der Sichtungen von ersteren Drachen aber nimmt über die jüngeren Zeiten und Jahrende hinweg exponentiell zu. Um 1900 herum konnte man Drachen nur beobachten, wenn ein Bühnenbildner bei einer Aufführung von Wagners „Ring des Nibelungen“ mal besonders engagiert gewesen sein sollte. Heutzutage kann man alle Nase lang welche in der Flimmerkiste bei Verfilmungen von Harry Potter oder Jim Knopf sehen. Doch damit ist es nicht genug. Auch der Drache Fangdorn reist mit lustiger Penetranz über die Mittelaltermärkte und verteilt dort Elfenschätze. – Wir werden sehen, was sich daraus ergibt.

Über solche Ereignisse gewöhnen sich die Leute an den Anblick von Drachen. Und in der Folge sehen sie selber welche. Ist das real? Ist es real, was ich hier schreibe? – Oh, ihr Pappnasen unter meine Untertanen! – Wisset: Es ist sogar gleichzeitig omnireal und metareal! Es betrifft allgemein das Multiversum in größerem Ausmaß und im besonderen auch die Transition in selbigem.

Das kapiert ihr nicht, ist schon klar. Aber das macht nichts. Es würde euch in größeren Teilen überfordern, und in anderen geht es euch nichts an. Denkt ihr nur einfach daran, wie die Publikümer in Kinosälen den Anblicken der Lindwürmer entgegen geschmachtet haben.

Eine wesentliche Frage ist nun aber auch: Warum tun die Völkerscharen solches? Wäre es nicht logischer, wenn die Männer vollbusige Feen wollen würden, und die Frauen naturarlistisch ausgebildete Eisengolems (erstmal heterosexuell, sonst eben umgekehrt)? 

Nein, da sind die psychologischen Hintergründe diffiziler. Drachen symbolisieren nämlich Macht. Dämonen tun das zwar auch, haben sich aber in der Vergangenheit allzu oft unbeliebt gemacht. Für Drachen hingegen gilt das Sankt-Florians-Prinzip „Verschone uns´re Häuser – zünd ander´n ihre an!“ oder konkreter „Da! Den kann ich nicht leiden! Friss den!“ Dass den meisten Drachen solche Vorgaben zu blöde sind, spielt dabei kaum eine Rolle.

Die Drachensichtungen korrelieren ein großes Stück weit mit dem Prinzip Hoffnung, frei nach dem Motto: „Er wird schon auf meiner Seite stehen.“ Auf der Straße begenet man aber selten Fangdorn, und auch mein eigener Lieblingsdrache Peterhausen (aus dem Anime „Demon King Daimao“) macht sich dort leider rar.

Statt dessen machen sich dann bei unpassender Gelegenheit Drachenseelen in Leuten breit, die einem echt auf die Nudel gehen können. Zum Teil ist das psychisch, zum Teil sozial. Ich bin nur froh, dass bisher noch keiner von ihnen mit dieser Feueratem-Show angefangen hat. Und geflogen ist auch noch keiner besonders weit. Bei den Gestalten, die man allgemein für Drachen hält, handelt es sich also allenfalls um Minderdrachen. Das wären dann überzüchtete Grottenolme oder im schlimmsten Fall australische Leistenkrokodile.

Trotzdem wachsen da und bei Drachengespenstern (die fröhlich in der Gegend herumturnen) die Sichtungen. Die Leute reden die Existenz der Drachen herbei, und darum erscheinen sie. Dieses Phänomen wird mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einem Schuss nach hinten werden. Aber falls ihr irgendwo Drachen begegnet, meine Untertanen: Bewerft sie mit Glitzerdingern! Die wollen sie allgemein fangen und in ihren Hort schleppen. Darauhin könnt ihr je nach Gusto und Lagebild entkommen, oder ihnen eins überbraten, wenn sie nicht tun, was ihr wollt.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finster

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