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Autofahrer für Dezibel

Mai 22
14:08 2022

Na, super. Kaum hatte ich diese Kolumne geschrieben, schon war sie wieder obsolet. Jetzt muss ich sie umschreiben, damit es irgendwie wieder passt. Das Grundthema ändere ich aber trotzdem nicht. Ällabätsch!

Das Problem ist, dass die AfD Bochum sich urplötzlich zerstreuselt hat. Jetzt haben wir da statt dessen eine umbenannte Truppe mit gleichem Personal namens FFB in Bochumer Stadtrat. Über diese Merkwürdigkeit werde ich berichten, sobald ich etwas darüber weiß oder vermute.

Die Thema dieser Kolumne war und ist jedenfalls ein zurückliegendes Geschehen in Wattenscheid.

Die Ereignisse da sind aufs Engste verknüpft mit eben jener „AfD“, die sich in dem Moment auch noch so nannte. Diese wird von vielen Menschen gehasst und gefürchtet, von mir selbst jedoch nicht richtig ernst genommen. Den Teil werde ich voraussichtlich in Zukunft auch oft ähnlich halten.

Also: In Wattenscheid gibt das ja auch so gerade eben so eine Bezirksvertretung, wo höchst lokale Politiker über höchst lokale Angelegenheiten reden, die sonst echt niemanden kümmern. Darunter befand sich zuletzt auch eine Entscheidungsfrage bezüglich der Entscheidungsfrage, wie man mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit für Automobile auf irgendwelchen Straßen umgehen sollte.

Irgendwer hatte nämlich vor ein paar Jahren die tolle Idee gehabt, ein paar davon bis auf Tempo 30 zu drosseln. Das geschah mit dem Hintergedanken, dass es dann sehr viel leiser vor Ort wäre, und die Anwohner in der weiteren Folge entweder seeliger schlafen oder ungestörter Kaffee und Kuchen vertilgen könnten. Zuletzt hatte man dabei festgestellt, dass das Ergebnis nicht ganz so viel gebracht hat, wie man sich erhofft hatte. Also sollte nochmal wieder abgestimmt werden: Tempo 30 oder Tempo 50.

Die CDU hat deshalb noch einen Änderungsantrag gestellt, wo sie mit Flüsterasphalt herumspielen wollten. Da wollte aber sonst niemand mitspielen.

Ich war nicht dabei, aber was dann passierte, war Folgendes:

Sämtliche Mandatsträger und Fraktionen enthielten sich in irgendeiner Form der Stimme, voraussichtlich kopfkratzend. Dabei gab es eine einzige Ausnahme: Der einzelne Typ von der (so eben noch) AfD in der BV Wattenscheid entschloss sich, aus prinzipiellen Erwägungen heraus für schnelle Autos und Brumm-brumm zu stimmen. Es steht die Frage im Raum, ob er auch Formel 1 toll findet.

Ich stelle außerdem fest, dass sich offenbar gedanklich wie in der optischen Wahrnehmung niemand auch nur die Bohne um ihn gekümmert hatte. Was die Besonderslokalpolitiker statt dessen dachten, kann ich nur raten. Vielleicht dachte man in der SPD an Lärm in einer Maschinenhalle, oder bei den Grünen an den Radau von Mountainbikern am Rothaarsteig, wo sie auf Zeisige störend wirken mögen. Die UWG war erfahrungsgemäß ideenmäßig dabei, anwohnende Wähler befragen zu wollen, während die FDP dies vielleicht von einem Zensus abhängig gemacht hätte. Die CDU hätte sich klammheimlich erfreuen können an einem absurden Plan, Friedrich Merz ein Pupskissen unterzuschieben.

Offen bleibt besonders die Frage, was die Frau von der Linkspartei sich so dachte. Deren Mitglieder beobachten die AfD sonst immer mit Argusaugen. – Oder machte man sich dort vielleicht mehr Gedanken, wie „Tempo 30“ zu gendern wäre? Das würde natürlich einen hohen Grad von inhaltlicher Ablenkung bedeuten.

Oder hatte jemand Geheiminformationen über das parteilich kommende?

Es bleibt als Ergebnis stehen: In demokratischer Abstimmung haben sich alle enthalten bis auf die (noch) AfD. Diese bekam damit ihren Willen. Die Wattenscheider bekommen also Brumm-brumm.

 …

Nun bleibt die Frage, ob ich das auch so machen könnte. Könnte ich alle möglichen Leute ablenken, und dann als Einziger eine entscheidende Stimme abgeben? Dazu müsste ich dann wohl mit besonders übler Magie arbeiten. Ich könnte zum Beispiel Massenhypnose einsetzen. Wenn alle relevanten Anwesenden glauben, auf einem Fenstersims im Ratssaal säße ein Grimassen schneidender Kobold, könnten sie sich entsprechend beeinflussen lassen.

Bei nochmaligem Nachdenken könnte ich auch einfach direkt einen Kobold herbeirufen. Dann müsste ich ihm nur noch erklären, dass die Mandatsträger sich ganz oder im Durchschnitt enthalten sollen. *Peng* hätte ich freie Bahn. Wohlan, dann poliere ich mal mein Koboldisch auf.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

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Paul Tobias Dahlmann

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