Start Kolumne Selfie-Point

Selfie-Point

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Als ich mit dem Wort „Selfie“ das erste Mal konfrontiert wurde, dachte ich ungelogen, es sei ein neuartiger Ausdruck für „Selbstbefriedigung“. Auf einer emotionalen Ebene mag dies in Extremfällen grob hinkommen.

Dennoch ist mit dem Wort sonst gemeinhin eine photographische Aufnahme gemeint, welche jemand in der Kernbedeutung des Wortes aus der freien Hand (jetzt wird es schon wieder sexuell) von sich selbst anfertigt. Mit der anderen Hand wiederum… Lassen wir das. Eigentlich wollte ich die Frage von Fotos via Selbstauslöser ansprechen. Sind das jetzt Sefies oder nicht?

Dem Namen nach dürfte es jedenfalls kein Selfie sein, wenn sich eine Person von einer zweiten fotografieren lässt. Hieraus entwickelt sich nun weiter unten im Text ein Problem.

Infolge von Werbemaßnamen lokaler Natur haben haben wir jetzt nämlich einen „Selfie-Point“, der nun ein „Foto-Punkt“ vor dem Bochumer Rathaus ist. Das liegt wahrscheinlich daran, dass noch jemand meine folgenden Beobachtungen angestellt hat. Da steht nun jedenfalls der Schriftzug „BOCHUM“ in blau-verschachtelt und 2 Meter Höhe auf einem Podest herum. Davor sind Fußabdrücke in angeblich passender Entfernung auf dem Boden gekennzeichnet, welche jedoch (nota bene!) auf den Schriftzug hin weisen. Damit würde eine daselbst stehende (anatomisch durchschnittliche) Person, die ein Selfie macht, aber nicht sich selbst mit dem Schriftzug fotografieren, sondern die Gegenrichtung, – also grob das Haus mit der Witteler-Passage. Eine knipsende Entität wiederum könnte zwar aus der fraglichen Position ganz gut eine zweite Wesenheit vor dem Schriftzug aufnehmen. Diese Zweihaftigkeit jedoch widerspricht den Begriffen „Selfie“ und „Selfie-Point“ doch recht exorbitant.

Vermutlich deshalb wurde der Selfiepoint zwischendurch umbenannt.

Diese Gesamtanlage jedenfalls wurde neulich unabhängig von den erwähnten logischen Zusammenhängen von tanzenden Mädels mit einem Jungen dabei eingeweiht. Deren akrobatische Leistung dabei war ganz ordentlich, aber die Musik dazu war zum weglaufen.

Entsprechend ging auch unter, dass der Oberbürgermeister sich danach im „C“ von „BOCHUM“ unten räkelte, um sich besser in Positur zu setzen und es gleichwohl bequem zu haben. Solcherart waren meine Beobachtungen.

Nachdem er weg war, kam eine weibliche Spukgestalt (so erschien sie mir) aus dem Nichts und fummelte mit Zetteln, laut denen man nicht auf den Buchstaben herumklettern sollte. Jaja, aber der OB durfte noch schnell. Is klar.

Für einen Tag später war dann noch ein Fotograf heraufbeschworen worden und dann auch erschienen. Selbiger knipste Leute vor dem Schriftzug, weil selbermachen können Selfies ja andere. An den komischen Punkt mit den Fußabdrücken hat er sich auch nicht gehalten.

Aber weil er schonmal da war, habe ich dann auch mitgemacht, und mich in Positur gestellt. Ich habe nämlich gerade einen schönen neuen Zauberstab und wollte damit angeben. Da ist extra eine Runeninschrift mit Stabreim drauf! Das hat der Oberbürgermeister davon. Der hatte nämlich gar keinen Zauberstab, gleich, ob neu oder alt oder wie auch immer.

Das Nicht-Selfie-Fotografenbild sollte ich dann jedenfalls via Geheimcode von einer versteckten Internetseite herunterladen. Bei meinem ersten Versuch am selben Abend noch klappte das aber nicht. Einen Tag später funktionierte es. Ob das etwas mit meinem neuen Zauberstab zu tun hatte?

Ich sollte bei Informatikern unter meinen Bekannten nachfragen, ob sie schon Erfahrungen über Rückkopplungen zwischen URLs und geheimnisvollen Runeninschriften gehabt haben.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

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