Start Kolumne Die Völkerschlacht um den grauen Turm

Die Völkerschlacht um den grauen Turm

106
0

Piekselig und düster, regelrecht unklar an nebligen Tagen, ragt zu Höntrop ein spitzer grauer Turm in den Himmel. Einstmals klettern Leute auf ihn drauf und sprangen runter. Dann machte es *platsch*. Lange vergangen sind diese Zeiten, und Mythen ranken sich um die Aufschlaggeräusche in der Tiefe der Wasserfläche. Doch keines Tritonen Ohr vernahm solches Geschwappe jemals, und keine noch so gefährliche Seeschlange ward je dort gesehen. Die gab es da nämlich nicht, weil das Wasser gechlort war.

Irgendwann wurde der Hüpfbetrieb eingestellt. Darum winden sich weitere Legenden, und ich kenne keine einzige von ihnen. Der spitze graue Turm aber stand abgesperrt weiter in der Gegend vor sich hin. Ab und zu nölte jemand herum, weil er mal wieder herunterspringen wollte. Das ging aber nicht, weil das Wasser meistens weg war, Pfützen nach starken Regenfällen nicht mitgezählt.

So kamen und gingen die Jahre, und die Stadt Bochum machte einen Haufen Bäderkonzepte. Allseits in den verschiedenen Bochumer Stadtteilen bildeten sich verschiedene Interessengruppen heraus. Sie wollten ihr jeweiliges Lieblingsbad (meist das nächste um die Ecke) postmodernisieren.

Als schließlich das Jahr des Herren 2022 gekommen war, kamen Höntrop und Langendreer unter die Räder. Wütende Horden von beiderlei Seiten tobten am Ruhrcongress, wo umsichtige Heerführer der Stadtverwaltung aber deswegen 5 Divisionen Panzerreiter zusammengezogen hatten (metaphorisch zumindest). Deshalb gingen die Leute nach Hause und meckerten dort weiter. Eigentlich hatten wir ihnen als Fraktion gesagt, sie sollten doch Hamsterräder zum Kurbeln aufstellen (metaphorisch zumindest), aber das passte wohl auch nicht so recht.

Also rumorten die sehr Unzufriedenen daselbst in den Ecken herum und beschworen allerlei Geister (metaphorisch zumindest). Die Geister ihrerseits spukten herum, und es herrschte Unfriede im Lande.

So kam es zuletzt, dass es im Rahmen der Ratssitzung am 15.6.2023 (wo ich auch war) zu einer größeren Schlacht mit allerlei wunderlichen Gestalten kam. Dabei außenvor waren allerdings die Klabusterianer aus Langendreer.

Dafür wollten ein paar Nekromanten (m.z., s.o.) den spitzen grauen Turm insgesamt zu nekromantischen Zwecken nutzen. Ob es ihnen primär um Zombies, herumlaufende Skelette oder Leute in weißen Bettlaken ging, blieb dabei offen. Die Nekromanten stellten jedenfalls eine Front der Schlacht.

Desweiteren waren da Trolle mit steinernen Riesenwalzen (m.z., s.o.), die alles plattmachen wollten. Es machte auf mich insgesamt den Eindruck, als hätten sie sich mit den in Höntrop ansässigen Baumlingen bereits im Vorfeld abgesprochen. Das muss allerdings Spekulation bleiben.

Auch anwesend waren Dunkelelfen (m.z., s.o.). Diese agierten weitgehend aus dem Hintergrund und hatten künstlerische Aspekte des spitzen grauen Turms im Sinn.

Eine Reihe von Wassermännern und -frauen (dies nur teilweise metaphorisch) verlangten eingangs außerdem lauthals aus dem Hintergrund nach einem dauerhaften Zufluss an Frischwasser. – Ob sie mit Hilfe einer spätantiken Wasserkunst den Kemnader Stausee umleiten wollten?

Von vorne herein vor Ort waren die üblichen Gnome und Zwerge (m.z., s.o.) mit Luntenschlosspistolen und Äxten.

Die Schlacht verlief folgendermaßen: Die Nekromanten babbelten irgendwas. Die Wassermänner und -frauen griffen zeitgleich mit Dreizacken und Tsunamis an. Die Zwerge hackten auf die Dreizacke, was ein Patt ergab. Die Gnome schossen auf die Tsunamis, was komischerweise funktionierte.

Die Dunkelelfen verbündeten sich kurzfristig mit den Nekromanten. Das Gebabbel im Hintergrund schwoll an, und irgendwelche Tentakeln aus fremden Dimensionen wollten erscheinen. Daraufhin wurden die Walzentrolle panisch und zerwalzten das vordere Geschehen.

Die Dunkelelfen zogen sich bei diesem Anblick, der ihrem Kunstsinn widersprach, beleidigt zurück.

Ich für meinen Teil kratzte mich am Kopf und ging auch nach Hause. Was hätte ich mit dem ganzen zerwalzten Zeug vor Ort denn auch machen sollen? Und für den spitzen grauen Turm sehe ich echt schwarz.

Nur die Nekromanten babbeln wahrscheinlich immer noch.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.