Start Kolumne Einigkeit und Wahl und Braten

Einigkeit und Wahl und Braten

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Berichtet man von der zurückliegenden Sitzung des Bochumer Stadtrates am 2.11.2023, so kann man die obige Überschrift als Zusammenfassung wählen. Soweit da sonst noch etwas passiert ist, erwähne ich es hier einfach nicht.

Zur obigen Einigkeit fehlte dabei ein ganz kleines Stückchen. Denn wie würde der Lateiner sagen? „Concordia per discordia!“ Ich habe keine Ahnung, ob das je ein Lateiner so gesagt hat. Aber hätte man per Zeitmasche einen Römer entführt und auf das genannte Thema angesetzt hätte, dann hätte er es vielleicht so gehalten. Der relevante Teil mit der Uneinigkeit herrschte bei der eigentlich sitzungseingänglich platzierten Resolution zur Verurteilung von gemeingefährlichen Gewaltverbrechen übler Natur sowie deren künftiger lokaler Verhinderung. Selbst ich habe mich in diesem Fall auch mal angeschlossen, zumal die besagten Verbrechen stillos waren und von wenig ausgeprägtem Kunstverständnis zeugten.

Solcherart waren sich wirklich Alle einig, diese Resolution verabschieden zu wollen – aber dann waren sich plötzlich zu viele einig. Denn auch Team Namenswechsel alias Captain Planlos And The Gang wollten mit auf den Briefkopf. Und dann wollten Andere wieder nicht mit Planlosigkeit in Verbindung gebracht werden. Einige mit unklarem Verteilungsmuster rebellierten gar übelpatzig ob solcher Ansinnen von jenen darselbst. „Wenn die nicht dann wir nicht oder so!“, mopperten sie. Solcherart verschwanden Captain Planlos And The Gang kurzfristig zum Mittagessen. Danach tauchten sie wieder auf und drohten mit einer blinden Frau mit einer Gewürzwaage.

Seine Oberbürgermeisterlichkeit samt die ihm nachgeordneten Gnome reagierten darauf insgesamt mit Kopfkratzen und Zurückstellen der kompletten Resolution. Solches wurde allenthalben als auch nicht wünschenswert eingeordnet. Aber weil mich keiner gefragt hatte, fiel auch niemandem etwas besseres ein.

Da müssen wir dann die Tage noch sehen, ob doch noch mal was aus dieser Resolution wird.

Alsdann hatten wir noch eine Wahl. Es ging um die Wiederwahl von einem gewissen jemand, den ich eigentlich auf dem Kieker habe. Ich hätte daher gerne mit “Nö!” gestimmt. Weiterhin hätte ich es gerne gesehen, wenn eine relevante Mehrheit des Rates das ebenso gesehen hätte. Aber wie die Dinge so laufen: Innerhalb meiner Fraktion herrschten da Uneinigkeit (Und damit meine ich nicht die verdammt süße „Discordia“ aus der Xena-Serie!), sowie Grabenkämpfe und Schlammcatchen. Aus strategischen Gründen haben wir uns deshalb enthalten. Bei anderen Fraktionen in der Opposition lief es grob ähnlich.

In der Folge kann ich nun über politische Abläufe philosophieren. Vielen Leuten von außerhalb geht es nämlich ziemlich auf den Zünder, wenn sich in den res politicae mal wieder nichts bewegt. Das hier ist einer der Gründe für so einen Eindruck. Alle spielen Tauziehen, und am Gesamtapparat bewegt sich kaum mal was wegen der unterschiedlichen Zugrichtungen.

Am Ende entscheidet dann oft ein kleinster gemeinsamer Nenner, der für sich genommen reichlich mickrig daherkommt. Darum wird dann ein großer Wind gemacht, und am Ende loben alle den „guten Menschen von Sezuan“. Dabei mochte ich diese Schullektüre überhaupt nicht. Der „Taugenichts“ von Eichendorff war mir sympathischer. Ich meine, Politiker sollten viel mehr im Morgenrock Pfeife rauchen. Dann wären sie sicherlich entspannter und besonnener.

Und bei internen Wahlen würden sich dann sicherlich auch viel weniger Leute fragen, was dieser Ausgang bei jener Abstimmung nun wieder zu bedeuten haben könnte.

Doch genug von Abstimmungen und Mitteilungen der Verwaltung! Ich will von konkreteren Dingen sprechen.

Es mag den Leser nämlich nun interessieren und neidisch machen, wie der Rat nach solcherlei Abläufen gespeist hat. Nach der fraglichen Sitzung wurde nämlich Warmes kredenzt.

In den Warmhalte-Schüsseln wurde da dann im Kern ein Braten serviert. Ich identifizierte ihn als eine Art Gyrosbraten. Das Fleisch war irgendwie in einer Rundung gegart und von außen mariniert. Dabei war es mittelweit durch, und die Marinade war nur leicht würzig.

Als Beilage dazu gab es einen Gemüsereis. Ich will nicht auf die einzelnen Gemüse schwören, aber Paprika war bestimmt dabei; meine ich jedenfalls. Oben drauf waren aber ganz sicher klein geschnibbelte Kirschtomaten als Verzierung verteilt.

Eine große Schüssel mit genug (mildem) Tzatziki für Alle stand auch noch anbei.

Zusätzlich war an einer anderen Stelle auch noch eine größere Menge an Tortellini in Rahm-Blattspinat aufgebaut. Was in den Tortellini genau drin war, konnte ich nicht herausschmecken. Aber der Teil vom Futter sollte wohl für Vegetarier, Zentauren und Leute aus der Hohlerde sein. Jemand hat so etwas gesagt.

Ich verstehe nur einfach nicht, warum meine Mit-Fraktionäre sich solche Sachen zum Dickwerden ständig entgehen lassen wollen.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

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