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Umzüge

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In Japan gibt es Umzüge japanischer Geisterwesen mit Lampignons, aber um die geht es hier nicht. Prozessionen der katholischen Kirche sind sowieso nicht gemeint. Soviel zum Disclaimer.

Es geht im engeren Sinne um den Transport von Mobiliar und Krimskrams von einer Residenz in die nächste. Tatsächlich machte ich das jetzt im Rahmen des Rathauses schon wiederholt mit. Vor zwei Jahren mussten wir schonmal vom Gebäude des trötenden Posthorns in eine Kemenate in dem 70er-Jahre-Bau umziehen, weil in erstem Umbaumaßnahmen zum Haus des Steins der Weisen (oder so ähnlich) eingeleitet worden waren.

Nun aber soll wegen welchem auch jenes weichen, und also mussten wir schon wieder (annähernd) 40 Jahre durch die Wüsten der Gänge laufen. Ich hatte das selbst auch tatsächlich vor und hätte es ganz in echt mitgemacht! Aber Informationsfluss ist eine Sache, mit der ich nur bedingt klar komme. Entsprechend war ich erst zur Einweihungssitzung anwesend.

Ich hoffe nur, meine Utensilien sind nicht abhanden gekommen. Wegen meinem hübschen Poster gab es schon Kommunikation. Was aus den Aufklebern geworden ist, weiß ich aber deutlich weniger. – Und wehe, meine Sammlung sortierter Totenschädel von altrömischen Hinrichtungsstätten ist weg gekommen! Dann gibt es Ärger!

Der Umzug der Büros aller Fraktionen war dann jedenfalls kürzlich und neulich und verzerrt. Es wird nämlich immer noch überlegt, ob wir jetzt Sessel oder Barhocker brauchen. Auch weitere Einrichtungsgegenstände wie Afri-Cola-Ausgabemaschinen, Kiwispender oder Weinbrunnen sind noch im Gespräch. Fürs erste habe ich schonmal ein paar Flaschen Met mitgebracht.

Auch meinen neuen Schlüssel habe ich schon. Das ist neuerdings eine Maschine, die elektromagnetische Wellen emmitiert. Sie sieht aus wie ein winziges Miniatur-UFO. Wenn man darauf drückt, gibt es ein seltsames Geräusch, und alle möglichen Türen öffnen sich, wo das vorher nicht ging. Mit diesem Geheimwerkzeug ausgestattet kann man Wege gehen, die dem gemeinen Pöbel verschlossen sind! Auch die schweren Maschinengewehre auf dem Dach und die Kampfroboter im Keller des Rathauses sind damit aktivierbar.

Doch Umzüge in weiterführen Betrachtungen sollen nun erfolgen. Wofür bin ich schließlich Zauberer? – So frage ich: Haben die Gnome die ganze Räumerei im Rathaus selber gemacht? Oder sind da irgendwo Golems oder Esel, von denen ich wissen sollte? Wie oft werden wir in Zukunft noch umziehen müssen? Wäre es für solche Zusammenhänge vielleicht praktisch, in den Büros fliegende Teppiche auszulegen? Dann könnte man ganz leicht umziehen, so viel man wollte!

Außerdem muss ich als Populist fragen: Warum erfährt die Öffentlichkeit nichts von diesem Umzug? Was soll da geheim gehalten werden? Hat jemand aus Koalition oder Opposition vielleicht finstere Pläne. (Ja, ich. Aber wer sonst noch?)

Könnte man in durch Umzüge zwischendurch frei werdenden Räumen vielleicht auch während der Umräumzeit ein Bordell einrichten? Was würden die Harpien dazu sagen?

Ich halte fest: Umzüge werfen Fragen über Fragen auf. Aber zum Glück habe ich ja Orakel, die sichere und annähernd vollkommen verlässliche Antworten geben. Es war sehr weise von euch, dass ihr mich gewählt habt, meine Untertanen!

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

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