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Weihnachtsmärkte

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Auch dieses Jahr kommen die Weihnachtsmärkte wieder völlig unerwartet und annährend mitten im Sommer. Dabei ist völlig klar, woran dieses Problem liegt: Die schwedischen Weihnachtswichtel haben Kohldampf. Also starten sie die Saison deutlich verfrüht, um sich im Supermarkt Lebkuchen kaufen zu können. Ansonsten werden sie traditionell ja nur mit süßem Brei gefüttert, den man auf dem Dachboden platziert. Eigentlich würde ich als Alternative vorschlagen, sie früher im Jahr bei Grillgesellschaften mit diesen Würsten zu füttern, die immer überbleiben, weil Alle sich auf die marinierten Steaks stürzen.

Aber so haben jetzt wir dieses Jahr wieder den gleichen Ärger wie sonst auch, und jemand schiebt einem den Glühweinbecher zu. Dabei waren doch gerade noch Wanderrouten in der Elfringhauser Schweiz das Thema!? … egal… Auch über jene kann man bei einem Glühwein philosophieren. … Bzw. kann man in der Lokalpolitik dazu Anträge stellen.

Und jetzt war ich in der Stadt auf dem Weihnachtsmarkt, und was ist? Alles anders! Die gebackenen Champignons stehen drei Meter weiter rechts als letztes Jahr! Und der ganze Husemannplatz ist umgegraben. Das ist Trollwerk! Außerdem haben wir dieses Jahr mehr Kunsthandwerk bei den Ständen. – Entweder ist das Elfenwerk, oder ich selbst bin Schuld. (Ich sollte mal langsam anfangen mit Buchführung über meine Anweisungen.) Zumindest der Bonbon-Stand ist noch an der gleichen Stelle wie früher. Es ist immer wichtig, zu wissen, wie man an Bonbons kommt.

Ich muss mir das nochmal gründlicher ansehen. Vielleicht hat ja noch jemand schwedische Lakritze versteckt, und ich habe sie übersehen. – Denn das ist auch so ein Punkt bei Weihnachtsmärkten: Einige Stände sind labyrinthartig in ihnen versteckt. Ob die zuvor erwähnten Tomten daran Schuld sind, die Stadtverwaltung oder der Bochumer Nikkelaus, bleibt dabei zunächst unklar.

Jedenfalls gibt es auf verwinkelten Märkten oft Ecken, wo magisches Gerümpel verkauft wird; manchmal sogar Artefakte, mit denen man in unheimlichen uralten Kellergewölben verbesserte Chancen gegen dort wohnende Drachen hat. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass in einem Vorjahr schon auf dem Husemannplatz Stoppersocken aus Nordkorea verkauft worden waren. Solche würden etwa einen erheblich verbesserten Halt auf dem Boden bieten, sobald man es mit einem Drachen zu tun hat. Und schwedische Lakritze lässt schwedische Wichtel sanft und umgänglich werden.

Solches mag sich mein Leser als Tipp merken: Weihnachtsmärkte sollte man immer genau absuchen. Nachher findet sich doch noch irgendwo etwas nützliches. (Almanache zur Kräuterkunde, Hüte, Schwerter,…)

Dabei dängen sich Spezifika in den Vordergrund: Der Bochumer Weihnachtsmarkt hat etwa schon häufiger historische Ereignisse dargestellt. So kann sich der Betrachter auf ähnliche Vorgänge vorbereiten. Wenn man etwa am Haus einer Knusperhexe vorbeikommt, so kann man ruhig von dem Ding naschen. Auf eine Stimme aus dem Haus, die irritiert nachfragt: „Knusper, knusper, Knäuschen! Wer knuspert an mein Häuschen?“ sollte man nun aber nicht etwa selten dämliche Antworten geben wie: „Der Wind, der Wind, das himmlische Kind.“ Ein Zauberer von Welt spricht hier sehr viel eloquenter: „Ein blindes Rind! Hinfort geschwind!“ Von so einer Aussage werden Knusperhexen allgemein zutiefst verstört, rauschen ab zum nächsten Hexensabbat, und lassen sich die folgenden Wochen nicht mehr blicken. Entsprechend kann man bei weiteren aufgestellten Dioramae sinnieren und später brillant reüssieren.

Doch auch abseits von allen intellektuellen Inhalten lassen sich geistige Getränke finden. Am beliebtesten ist dabei wohl roter Glühwein, welche oft auch für zuhause zum Mitnehmen erhältlich ist. Eigentlich ist das schade, denn ich mag weiße Glühwein lieber. Noch lieber mag ich Met und Likör; und auch solchen kann man gelegentlich erwerben. Paraphrasiert sagt man dazu: „Kippt euch einen hinter die Binde! So jung kommen wir nie mehr zusammen.“

So kommen wir abschließend auch zu der Frage: Warum schreibe ich eigentlich über Weihnachtsmärkte, anstatt über richtige Kommunalpolitik? Die Antwort ist natürlich: Weihnachtsmärkte sind prima, um sich von dem restlichen Weihnachtsstress abzulenken. Sie sind eigentlich auch ein Zauber. Selbiger dient dazu, Leute satt und besoffen zu halten, wenn sie eigentlich ein total originelles Geschenk für den Neffen am suchen sind.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

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