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Gnomenkram

November 21
14:01 2021

Und wieder einmal war Sitzung vom Stadtrat.

Dieses Mal hatte er früher begonnen als sonst, es gab neuen technischen Krimskrams („Rats-TV“) und es wurde der Haushalt besprochen. Außerdem wurde wiedermal was umorganisiert, indem der Raum der Veranstaltung ohne erkennbaren Anlass ein Stockwerk tiefer verlegt wurde. Eigentlich hätten mich diese Umstände warnen sollen. Als ich dann mittels magischer Hellsicht die herumschleichenden Gnome erblickte, war ich dennoch überrascht.

Außer mir hat sie wohl niemand gesehen. Das liegt natürlich an meiner gewaltigen unheimlichen Macht und nicht, wie mancherorts vermutet wird, an meinem berufstypischen Wahnsinn. Die meisten der Gnome sah ich sonst im Bereich der Verwaltung vorne links in Ecken, oder sie rannten hinter den Rednern her und gestikulierten dabei albern in der Gegend herum.

Von den Rednern gab es zum Thema Haushalt eine ganze Reihe. Die Inhalte waren dabei großenteils absehbar. Die Koalition lobte sich selbst für ihre tollen Pläne und alle anderen meckerten, dass sie mal in die Puschen kommen sollten, jene umzusetzen. Dazu kamen die üblichen Stoßrichtungen bei den verschiedenen Parteien. Ein Erdling nölte auch noch, dass Seine Allerdurchlauchtigste Bürgermeisterlichkeit Thomas Eisi Eiskirch viel zu viel Wert auf eine Stab von Höflingen (leicht paraphrasiert) legen würde, und jene den Wählern die Haare vom Kopf fräßen.

Während dieser ganzen Reden stand auf dem Tisch hinter dem Rednerpult ein Gnom, der die gesprochenen Worte in Gebärdensprache wiedergab. Nun beherrsche ich leider keine gnomische Gebärdensprache. Von daher habe ich auch keine Ahnung, für was für taubstumme Zuschauer diese Aktion überhaupt gedacht war. Das machte allerdings keinen großen Unterschied, da ihn, wie schon angemerkt, außer mir sowieso niemand sah.

Ein weiterer Grund für die gnomische Präsenz bei der Ratssitzung zeichnete sich später ab. Da ging es nämlich dann um das Bochumer Bäderkonzept. Selbiger Name bezeichnet nun mitnichten Vorschriften für den Einbau von Badewannen in Schrebergärten, wie man vermuten könnte. Es ging vielmehr um Schwimmbäder, darin herumzuplanschen Menschen gewohnt sind, so dass sie feinsinnige Nixen und so mit Krach vergraulen. – Gerade fällt mir das hier als weitere Stelle auf, wo Trolle anderen Leuten sehr auf die Nerven gehen.

Wir im Rat hatten dazu im Vorfeld extra einen Berliner und einen Muffin als außerordentliche Sondergratifikation erhalten. Es waren nämlich Gerüchte im Umlauf gewesen, dass verschiedene Parteien bei genau diesem Punkt besonders schwere Geschütze auffahren wollten. Das wiederum hatte die Gnomen offenbar verrückt gemacht – also die Gerüchte, nicht die Artillerie.

Das Palaver hielt sich aber dann doch auch hier in Grenzen, und selbst die meisten Gnomen bohrten sich in der Nase. Es wurde nur etwas herumgemeckert, ob nun Höntrop oder Langendreer tollerer wäre. Ich selber fand das Bad in Hofstede verteidigenswerter, weil das bei mir um die Ecke ist. Aber da krickelte sowieso nur ein Fuzzi ganz kurz zwischen Tür und Angel dran herum.

Nach diesem Das-war-es-auch-schon gingen wir dann zu dem üblichen Heiho um Anträge einzelner Parteien über. Entsprechend schauten die Gnome blöd aus der Wäsche und begannen kurz danach, Schabernack zu treiben. Sie benahmen sich regelrecht wie Kobolde. Wahrscheinlich hatten sie irgendetwas Unrechtes getrunken.

In der Folge beendete der OB die Sitzung dann. Vorgeblich waren wir fertig, weil wir keine Themen mehr hatten. Möglicherweise warnten ihn aber auch die Geister des Ortes, dass die Gnome durchaus Schaden anrichten können, wenn man sie nur lässt. Daher waren wir dann zu einer Zeit aus dem Saal heraus, wo wir sonst vielleicht angefangen hätten.

Für den früheren Beginn wird jedenfalls auch sonst niemand eine viel bessere Erklärung finden können als das Wirken von Gnomen.

Als Hinweis für meine Leser gebe ich abschließend noch einen Tipp, wie man nervende Gnome abwehrt. Denen wird nämlich schnell ihre Verliebtheit in Vorschriften zum Verhängnis. Wenn man ihnen eine beliebige Seite eines Rechtstexts (z.B. ein Gesetzbuch) vor die Nase hält, dann sind sie länger abgelenkt, und man kann sie in der nächsten Zeit ignorieren. Wahrscheinlich sollte ich bei der nächsten passenden Gelegenheit sowas dabei haben.

Bleibt böse!

Euer Tobias, der sehr finstere

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Paul Tobias Dahlmann

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