BOjournal

Beitrag

 Kurz notiert

Bochumer Grundschule weist Kinder ab

CC0 Public Domain

Bochumer Grundschule weist Kinder ab
März 15
11:55 2016

Eine Verwaltung, die den aktuellen Entwicklungen hinterherhechelt, ist in Bochum an sich nichts Neues. Wenn aber gerade Grundschulkinder und deren Eltern die Fehlplanungen der Stadt ausbaden müssen, dann muss dringend gegengesteuert werden. Trotz aller Vorwarnungen ist es nun passiert: Von 43 Anmeldungen für die Borgholzschule werden 15 Kinder abgelehnt. Dabei gibt es keine sachlichen Gründe, denn Räumlichkeiten für eine Zweizügigkeit der Jahrgangsstufe wären ohne Probleme vorhanden. Die Stadt Bochum hat sich aber mit der unflexiblen und längst überholten Schulentwicklungsplanung selbst Fesseln angelegt.

Das starre Festhalten an der Fehlplanung hat gleich zweifach negative Auswirkung: Die Kinder, die abgelehnt wurden, können nicht an ihre wohnortnahe Wunschgrundschule und die anderen Kinder drängen sich nun in einer Mega-Klasse von 28 Schülerinnen und Schüler. Hier muss man vielmehr beweglich sein und eine Zweizügigkeit herstellen, damit alle Kinder angenommen und Klassengrößen nach Klassenrichtwert eingehalten werden können. Zur Ratssitzung im Oktober letzten Jahres hat die Fraktion FDP & DIE STADTGESTALTER den Antrag gestellt, dass die Schulentwicklungsplanung aufgrund der zusätzlich zu beschulenden Flüchtlingskinder dringend angepasst und an manchen Stellen ausgesetzt wird. Das Ziel war dabei ganz klar, durch mehr Flexibilität die Ablehnung von Kindern und übergroße Schulklassen zu verhindern. Anstatt sich auf Grundlage des Antrages inhaltlich und früh genug mit Lösungen zu beschäftigen, wurde eine Entscheidung verschoben.

Eine weitere Möglichkeit wurde verspielt, als ein entsprechender Änderungsantrag, ebenfalls von der Fraktion FDP & DIE STADTGESTALTER mit gleicher Zielrichtung in der letzten Ratssitzung abgelehnt wurde. Es gab also genug Chancen, um vom eingeschlagenen Irrweg auf den richtigen Kurs abbiegen zu können. Die Probleme an der Borgholzschule markieren dabei nun den Anfang dieser Nachlässigkeiten, denn auch an anderen Grundschulen wird sich die Lage zuspitzen. Bochum hat es schon im Jahr 2015 nicht geschafft, ausreichend Grundschulklassen einzuführen, um damit die vom Land NRW angestrebte Klassengröße von bis zu 23 Kindern einzuhalten. Durch die rechnerisch bis zu 13 zusätzlichen notwendigen Klassen verschärft sich die Situation noch, sodass in naher Zukunft mit weiteren künstlichen Engpässen wie bei der Borgholzschule zu rechnen ist.

Die Ablehnung von Kindern und die Beschulung in Mega-Klassen darf kein Normalzustand in Bochum werden. Wie viele Studien zur Wirkung der Klassengröße auf die Schul- und Unterrichtsqualität zeigen, beeinflusst gerade die Klassengröße den Lernerfolg der Schüler und das Gelingen der Integration von Migrantenkindern maßgeblich. Die Untersuchungen zeigen auch, dass sich vor allem in den unteren Klassen eine kleine Klassengröße auf die Leistungen der Schüler besonders stark positiv auswirkt. iIn Bochum muss die Schulentwicklungsplanung für Grundschulen der Lebensrealität angepasst wird. Die Verwaltungsplanung muss sich an den Kindern und Familien anpassen und nicht die Kinder und Familien an die Verwaltungsplanung.

Über den Autor

BOJournal

BOJournal

Redaktionsteam

Ähnliche Beiträge

0 Kommentare

Bisher keine Kommentare!

Bisher keine Kommentare. Möchten Sie einen Kommentar schreiben?

Schreib einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Suche

Die KOLUMNE vom finsteren Zauberer

  • Post thumbnail

    Ganz großes Theater

    Dieser Tage flatterte mir eine E-Mail ins Postfach, die mich überraschte. Ohne es zu überprüft zu haben vermute ich stark, dass Andere sie ebenfalls erhielten. Absender waren zuständige Terraner aus der Stadtverwaltung. In jener Mail stand daselbst geschrieben, dass ich nun als Stadtratsmitglied für eine Impfung wegen Covid-19 priorisiert wäre wegen Zuständigkeitsgruppe Blubb. Das scheint ebenso für Mitglieder von Bezirksvertretungen zu gelten, während sachkundige Bürger in Ausschüssen nicht erwähnt wurden. Ich habe den Verdacht, dass dies alles mit legalen Mitteln zugeht. Doch ist es auch stimmig? Ich habe mir dazu also am Kopf gekratzt und mir indessen spezielle Gedanken zur Sache gemacht. Sodann habe ich mich weiteren Themen zugewandt, die mir gerade unter den Nägeln brannten. In Bezug auf andere Angeschriebene kann es übrigens sehr unterschiedliche Reaktionen gegeben haben. Es mag den durchschnittlichen Leser überraschen, aber die meisten von denen sind tatsächlich Menschen! Einige Ratsherren könnten also etwa vorerkrankt sein… Weiterlesen …. 

GERN GESLESEN